Talend hilft bei der Strafverfolgung in Berlin

Talend Data Integration bei der Generalstaatsanwaltschaft Berlin
Besonders gut an Talend hat mir die grafische Entwicklung gefallen, mit der die komplexe Schnittstellenprogrammierung mit einigen Mausklicks funktioniert. Die Möglichkeiten der Automatisierung sind vielfältig, die Lösung ist stabil und lässt sich um zahlreiche Komponenten erweitern.
Wolfram Zimmermann, Systemanalytiker im IT-Referat der Generalstaatsanwaltschaft Berlin

Der Kunde

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ist die zuständige Dienstbehörde für die Strafverfolgungsbehörden Berlins. Ihr obliegt die Aufsicht über die nachgeordneten Ermittlungsbehörden (Staatsanwaltschaft Berlin und Amtsanwaltschaft Berlin), die Bearbeitung derjenigen Verfahren, in denen das Oberlandesgericht ‑ das in Berlin aus historischen Gründen den Namen "Kammergericht" trägt ‑ entweder erstinstanzlich zuständig ist (insbesondere bei Straftaten, die sich gegen die äußere oder innere Sicherheit der Bundesrepublik richten) oder über Rechtsmittel gegen Entscheidungen des Amts- und Landgerichts zu entscheiden hat. Bei der Strafverfolgung kommt heute hoch moderne Informationstechnologie (IT) zum Einsatz, um beispielsweise den Datenaustausch mit anderen Behörden so effektiv wie möglich zu gestalten. Leistungsfähige Hardware, innovative Software und zahlreiche Schnittstellen zwischen den eingesetzten Systemen helfen bei der Strafverfolgung.

Die Herausforderung

In Berlin ist „MESTA“ seit Anfang 2012 die zentrale Anwendung der Strafverfolgungsbehörden. MESTA, eine Entwicklung der Firma Dataport aus Kiel, steht für „Mehrländer Staatsanwaltschaft Anwendung“ und wird zurzeit in sieben Bundesländern in einem Verbund eingesetzt. MESTA besteht aus zahlreichen Modulen, die von Staatsanwälten, Geschäftsstellenbeamten und Rechtspflegern genutzt werden. In der IT-Abteilung der Generalstaatsanwaltschaft, dem IT-Referat, arbeitet ein Team aus etwa 20 Mitarbeitern, die sich auf die Bereiche Infrastruktur, Hotline, Schulung und Anwendungsentwicklung verteilen. Der Bereich Anwendungsentwicklung ist zuständig für das reibungslose Zusammenspiel der unterschiedlichen Anwendungen, die zum überwiegenden Teil von externen Zulieferern entwickelt wurden. Ein besonders großer Anteil entfällt dabei auf die Entwicklung und Pflege von Schnittstellen zwischen MESTA und den externen Partnern, etwa dem Bundeszentralregister, der Polizei oder den Gerichten.

Systemanalytiker Wolfram Zimmermann ist im IT-Referat der Generalstaatsanwaltschaft Berlin zuständig für den Bereich Anwendungsentwicklung. Für die Schnittstellentwicklung rund um MESTA suchte er 2011 nach einer Möglichkeit, den Prozess zu vereinfachen und zu standardisieren: „Innerhalb der verschiedenen Module von MESTA ist der Datenaustausch überhaupt kein Problem. Aber bei den externen Partnern haben wir es mit zahlreichen, sehr unterschiedlichen Systemen zu tun, die alle individuell angebunden werden müssen, ohne dass auf der anderen Seite das System verändert werden kann. Ein Beispiel ist hier das Verkehrszentralregister in Flensburg, wo die ‚Punkte‘ der Autofahrer gespeichert werden.“

Die Suche nach einer geeigneten Lösung gestaltete sich einfach, denn das Team von Wolfram Zimmermann hatte bereits sehr gute Erfahrungen mit der Integrationsplattform Talend gemacht. Bereits 2011 konnte mit Talend ein umfangreiches Migrationsprojekt erfolgreich umgesetzt werden. Mit der Talend-Software wurden Daten aus zwei Alt-Datenbanken (Adabas und MySQL) für MESTA in eine Oracle-Datenbank migriert. „Dieses Migrationsprojekt konnten wir ohne Ausschreibung direkt mit der Open-Source-Version Talend Open Studio for Data Integration abwickeln. Talend hat uns dabei viel Zeit, Geld und Arbeit eingespart.“ Zum Stichtag, dem 1. Januar 2012 waren alle Daten in das neue System „gepumpt“ worden und das obwohl für die eigentliche Migration nur die Feiertage zur Verfügung standen.

Die Talend-Lösung

Für das Migrationsprojekt hatte sich die Generalstaatsanwaltschaft Berlin Unterstützung von dem Talend-Partner CIMT AG eingeholt. Im Rahmen einer Schulung wurde schnell klar, dass die Talend-Software auch bei dem Schnittstellenproblem, für das übrigens derselbe Stichtag galt, helfen könnte. Kein leichtes Unterfangen, denn allein von der Polizei werden täglich etwa 3.000 Dateien an die Generalstaatsanwaltschaft übermittelt, darin finden sich beispielweise Vorgangsdaten zu Vorfällen wie Diebstählen, Verkehrsvergehen oder Gewaltverbrechen.

„Nachdem wir uns einen Überblick über die anzubindenden externen Partner verschafft haben, gestaltete sich die eigentliche Umsetzung dann überraschend einfach. Talend ermöglicht das Erstellen von Schnittstellen ohne großen Aufwand und meist muss man dafür nicht einmal programmieren. Wir brauchten dafür übrigens nur einen einzigen Mitarbeiter“, erinnert sich Wolfram Zimmermann. Dieser begann dann mit Unterstützung der CIMT AG im Sommer 2011 die Automatisierung der Schnittstellen zu realisieren. Probleme gab es im Projekt keine. Eine der wenigen Herausforderungen war, dass in einem Zug auch die Basis des Schnittstellenservers ausgewechselt wurde. Vorher war eine Großrechnerumgebung mit TSO und JCL im Einsatz, die nun auf Windows Server 2008 umgestellt werden sollte. „Aber auch das klappte einfach“, so Wolfram Zimmermann.

Ein Beispiel macht deutlich, wie die Umsetzung einer solchen Schnittstelle erfolgt. Mit dem Partner Polizei wurde die Datenintegration wie folgt umgesetzt: Im ersten Schritt werden Daten von der Polizei über eine gesicherte FTP-Verbindung in einen Sicherungsordner auf dem lokalen Windows-Server geladen. Von dort werden sie automatisch in das von MESTA vorgegebene Eingangsverzeichnis gestellt. Danach startet ein MESTA-Job, mit dem die Daten in die Datenbank eingelesen werden, dabei wird ein Return-Code des Jobs abgefragt und bestätigt. Nach diesem Muster laufen praktisch alle Schnittstellen-Jobs, wenn nötig erfolgt in einem Zwischenschritt noch eine Transformation der Daten durch Talend. Die gesamte Automatisierung der Schnittstellen übernimmt als Job-Scheduler die Talend Administration Console (TAC). Alle Jobs laufen täglich rund um die Uhr, auch am Wochenende, einige laufen einmal pro Tag, andere bis zu zehn Mal.

Vorteile

Die Schnittstellen selbst werden von Talend als ausführbare Java-Dateien angelegt. Dabei muss dank der einfach zu bedienenden grafischen Oberfläche praktisch kein Programmcode geschrieben werden, die Programmierung erfolgt durch „Drag & Drop“. Aktuell nutzt die Generalstaatsanwaltschaft Berlin für das Schnittstellenprojekt Talend Data Integration mit fünf Lizenzen. „Besonders gut an Talend hat mir die grafische Entwicklung gefallen, mit der die komplexe Schnittstellenprogrammierung mit einigen Mausklicks funktioniert. Die Möglichkeiten der Automatisierung sind vielfältig, die Lösung ist stabil und lässt sich um zahlreiche Komponenten erweitern“, so Wolfram Zimmermann. „Nach dem Migrations- und Schnittstellenprojekt ist Talend bei uns quasi gesetzt. Wenn neue Integrationsanforderungen auf uns zukommen, schauen wir immer zuerst, ob diese mit Talend umgesetzt werden können.“

Das nächste Projekt steht bereits in den Startlöchern: Aktuell wird MESTA von Dataport in eine Java-Umgebung transformiert. Danach sollen ab 2013 alle Schnittstellen als Web-Services angeboten und nicht mehr als Batch-Job gestartet werden. Aber mit Talend ist die Generalstaatsanwaltschaft Berlin für dieses Unterfangen gut gerüstet.