Talend bei der Frankfurter Fondsbank (FFB)

Der „Schmierstoff zwischen allen Anwendungen“
Mit der Talend Integration Suite nimmt die Umsetzung neuer ETL-Prozesse deutlich weniger Zeit und Entwicklungsaufwand in Anspruch. Talend erledigt alles, was wir benötigen, und lässt uns gleichzeitig finanziellen Spielraum für andere Projekte.
Matthias Richardt, Prokurist Informationstechnologie

Auch in der Bankenwelt gilt: Durch die Konzentration auf bestimmte Aufgabenbereiche und die konsequente Stärkung von Kernkompetenzen kann eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit erreicht werden. In diesem Sinne hat sich die Frankfurter Fondsbank (FFB) als Abwicklungsdienstleister auf die Verwahrung von Investmentfonds spezialisiert. Die Anfang 2002 gegründete Wertpapierhandelsbank ist seit 2009 eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Fidelity Investment Managers, eine auf allen bedeutenden Finanzmärkten aktive Fondsgesellschaft. Heute zählt die FFB mit 15,4 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen (Assets under Administration) in knapp 810.000 betreuten Depots zu den führenden Fondsabwicklern Deutschlands. Das angebotene Fondsuniversum beinhaltet mehr als 8.000 verschiedene Fonds von über 220 in- und ausländischen Fondsgesellschaften. Als reine B2B-Bank richtet sich die FFB mit ihren Dienstleistungen an unabhängige Finanzdienstleister sowie Investmentgesellschaften und Banken. Auf der Vermittlerplattform der FFB können qualifizierte Vertriebspartner und Finanzdienstleister ihren Kunden die Verwahrung ihrer gesamten Fondsbestände in einem einzigen Depot anbieten. Daneben ermöglicht die FFB im Mandantengeschäft Investmentgesellschaften und Banken, die weiterhin Vertragspartner des Kunden bleiben wollen, als einzige Plattform in Deutschland ein echtes technisches Outsourcing ihrer Anteilkontoführung. Das Geschäftsmodell der FFB stellt hohe Ansprüche an eine leistungsfähige und flexible IT-Systemlandschaft. Große Datenmengen müssen ständig zwischen zahlreichen Anwendungen ausgetauscht werden, für Transaktionen müssen Daten nahezu in Echtzeit bereit stehen. Für die dazu notwendige, unternehmensweite Datenintegration hat das Institut 2009 die Datenintegrationslösung des Open-Source-Anbieters Talend eingeführt.

Die Herausforderung

Als Spezialanbieter betreibt die FFB eine Fondsabwicklungsplattform, die für die gesamte Finanzdienstleistungsbranche zur Verfügung steht. Freie Finanzberater oder Finanzvermittler, aber auch Banken können diese Plattform verwenden, um Depots zu führen. Dabei übernimmt die FFB den kompletten Part der Depotführung, vom eigentlichen Ordervorgang bis hin zur steuerlichen Dokumentation, die für die Kunden erstellt werden muss. Für die technische Abwicklung wurde eine leistungsfähige IT-Landschaft aufgebaut, in deren Mittelpunkt ein spezialisiertes Backend-System für die komplette Depotverwaltung namens Diamos-D steht. Um die auf J2EE basierende Lösung der hessischen Diamos AG gruppieren sich einige weitere Anwendungen als „Satelliten“, dazu zählen das Internet-Frontend, mit dessen Hilfe die Daten über eine Webservice-Schnittstelle verfügbar gemacht werden, sowie zahlreiche weitere Systeme, etwa für das Reporting oder die Orderabwicklung. Hinzu kommen kleinere Abteilungsanwendungen, die spezielle Geschäftsprozesse abdecken, etwa Ein- und Auslieferungen von Fondsanbietern, die das Kernsystem nicht komfortabel bereitstellt.
Das Internet-Frontend stellt die wichtigste Schnittstelle zum Anwender dar, der sich mit User-ID und Passwort autorisieren muss und dann alle für ihn freigeschalteten Services nutzen kann. Finanzvermittler können so ihren Kunden die gesamte Fondspalette der FFB anbieten, ohne eine technische Infrastruktur aufbauen zu müssen. Sämtliche Kursabfragen, Orderprozesse, Berichte oder Analysen können über einen einfachen Internet-Zugang bequem vom Büro oder von unterwegs aus, etwa bei Gesprächen vor Ort beim Kunden, durchgeführt werden.
Bei quasi allen Anwendungen sind Interaktionen vorgesehen, das heißt, Daten müssen bi-direktional ausgetauscht werden. Diamos liefert Daten an das Frontend, genauso werden aber Daten und Orders, die vom Finanzvermittler eingegeben werden, wiederum an das Backend-System übermittelt und dort verarbeitet. Wenn ein Finanzvermittler eine Transaktion auslöst, müssen Daten aus dem Backend-System und gegebenenfalls weiteren Systemen gesammelt, verteilt und transformiert werden. Nach der Verarbeitung durch Diamos werden wiederum Informationen, beispielsweise eine Orderbestätigung, an den Benutzer übermittelt. Einmal täglich erstellt Diamos eine Abrechnung und löst das Ordering der Anteile bei den Fondsanbietern aus. Die Anteile werden dann direkt in die betreffenden Kundendepots eingebucht, der Finanzvermittler erhält zur Information eine Transaktionsübersicht. Insgesamt sind rund 2.000 ETL-Prozesse definiert, bei denen Daten aus einem System abgeholt, umgewandelt und einem anderen System zur Verfügung gestellt werden.
Für den gesamten Komplex der Datenintegration hatte die FFB bis 2009 die Softwarelösung Hummingbird Genio im Einsatz. Mit dem Funktionsumfang der Software war die FFB aber nicht mehr zufrieden und begann daher, sich nach Alternativen umzuschauen. „Der wesentliche Treiber für die Ablösung unseres ETL-Tools war, dass wir begonnen haben, Formate aus dem Backend-System einzulesen“, sagte Matthias Richardt, Prokurist der FFB und zuständig für diesen Bereich der Informationstechnologie. „Dabei handelt es sich um spezielle XML-Formate, deren Verarbeitung durch Hummingbird Genio einen relativ großen Entwicklungsaufwand bedeutet hätte.“

Die Talend-Lösung

Im Zuge einer klassischen Evaluierung hat das Team um Matthias Richardt sich daraufhin vier ETL-Tools (Extract – Tranform Load) näher angeschaut, Anwendungspräsentationen mit den Herstellern vereinbart und dann in einem zweitägigen „Proof-of-Concept“ die Praxistauglichkeit unter realen Bedingungen unter die Lupe genommen. Dabei wurden beispielsweise an echten Jobs Performancemessungen durchgeführt und bewertet. Schließlich kamen die Lösungen von Informatica und Talend in die engere Auswahl. „Die Entscheidung zugunsten der Talend Integration Suite fiel letzten Endes aufgrund einer Mischung aus vier Faktoren: Funktionalität, Referenzen, Support und Preismodell“, sagt Matthias Richardt. „In der Kombination hatte Talend letztlich die Nase vorn, weil das Tool alle Anforderungen abdeckt und gleichzeitig das attraktivste Preismodell vorweisen konnte. Informatica war funktional auch überzeugend, aber hier hatten wir das Gefühl, dass wir zu einem enormen Preis eine Lösung einkaufen, bei der wir 90 Prozent der angebotenen Funktionen überhaupt nicht benötigen.“
Der Open-Source-Ansatz von Talend hat die Entscheidung kaum beeinflusst. „Uns kam es darauf an, dass die Lösung unser Anforderungsprofil erfüllt. Das Geschäftsmodell des Anbieters war uns dabei mehr oder weniger egal. Open-Source war kein Wunsch, aber halt auch kein Ausschlussfaktor“, so Matthias Richardt. „ Aber klar war: Wir würden kein Tool einführen, bei dem nicht auch ein zuverlässiger Support mit im Paket ist. Talend hat uns hier absolut überzeugt.“
Das Lizenzmodell von Talend unterscheidet sich erheblich von dem der traditionellen Closed-Source-Anbieter: lizenziert wird ausschließlich nach „Developer-Seats“, also Arbeitsplätzen für Entwickler. Die Zahl der angebundenen Datenquellen oder –ziele oder das Datenvolumen spielen dabei keine Rolle. Die FFB hat zunächst drei Entwicklerlizenzen der aktuellen Version 4 der Talend Integration Suite gekauft. Für die Installation und Einrichtung der ersten Jobs wurden von Talend Schulungen abgehalten, um die Mitarbeiter schnell produktiv und arbeitsfähig zu machen. Weil Talend auf Eclipse basiert und diese Entwicklungsumgebung innerhalb der FFB weit verbreitet ist, haben sich die Entwickler schnell mit dem Tool angefreundet. Auch die Betreiber der IT-Infrastruktur die FFB greift für das Hosting auf T-Systems als Dienstleister zurück , erhielten eine Schulung, bei der die Kollegen dort über die Betriebsaspekte der Software informiert wurden. Bislang wurde der im Vorfeld gesteckte Zeitrahmen exakt eingehalten, die Ablösung von Hummingbird ist nahezu abgeschlossen. Talend ist damit seit Mitte 2010 bei der FFB der unternehmensweite Standard für die Datenintegration.

Die Vorteile

Bei der Umsetzung der ersten Projekte erwies sich der Open-Source-Ansatz der Software dann allerdings als segensreich: neben den drei Lizenzen für die Enterprise-Version ist die offene Community-Version, Talend Open Studio, unter den Entwicklern weit verbreitet. Mit der kostenlosen Variante der Software können die Entwickler ohne irgendwelche Restriktionen Dinge ausprobieren und diese quasi als Spielwiese nutzen, um beispielsweise kleinere Proof-of-Concepts durchzuführen. Dabei ist es jederzeit problemlos möglich, Arbeitsergebnisse in das zentrale Repository zu übertragen und damit unter die kommerzielle Version zu stellen.
„Wir sind mit unserer Entscheidung für Talend sehr zufrieden, alle Erwartungen wurden mindestens erfüllt, wenn nicht übertroffen“, so Matthias Richardt. „Die Talend Integration Suite bringt als ETL-Tool viel mehr Handwerkszeug mit als ihr Vorgänger von Hummingbird. Zudem nimmt die Umsetzung neuer Prozesse deutlich weniger Zeit und Entwicklungsaufwand in Anspruch. Talend erledigt alles, was wir benötigen, und lässt uns gleichzeitig finanziellen Spielraum für andere Projekte.“
Nach der erfolgreichen Migration der bestehenden ETL-Prozesse hat die FFB bereits einen weiteren Einsatzzweck für die Software ausgemacht: zahlreiche Abläufe wurden in der Vergangenheit nicht mit der ETL-Lösung umgesetzt, sondern dezentral über Skripte, die dann auf verschiedenen Rechnern laufen. Oft handelt es sich dabei lediglich um Jobs der Art „kopiere Daten von A nach B“. Aber dieses „Handcoding“ bringt in der Praxis oft Probleme mit sich, da es sich jeweils um Insellösungen handelt, von denen immer nur einzelne Mitarbeiter wissen, wie sie funktionieren und wo sie liegen. Ein nicht dokumentierter Kopierprozess innerhalb eines komplexen Workflows ist eine potentielle Gefahrenquelle, denn ein Fehler hier kann eine ganze Jobkette lahmlegen. Mittelfristig soll dieses gesamte, personengebundene Spezialwissen daher ebenfalls in das zentrale ETL-Repository integriert werden.
Geplant ist derzeit, dass bis Ende des dritten Quartals 2010 alle Skripte durch Talend-basierte ETL-Prozesse ersetzt werden. Bei der FFB ist dies kein marginales Problem, es betrifft alles in allem rund 2.000 Jobs, damit ist der Umfang vergleichbar mit der Migration von Hummingbird zu Talend. Zu diesem Zweck soll die Zahl der Entwicklerlizenzen verdoppelt werden. „Alle reden heute von Cloud-Computing und Echtzeit-Transaktionen, da erscheint ein Thema wie ETL oft beinahe etwas banal. Aber es handelt sich für uns um ein ganz grundsätzliches Basistool, das einfach funktionieren muss“, resümiert Matthias Richardt. „Für mich ist ein ETL-Tool dazu da, um den Schmierstoff zwischen allen benötigten Anwendungen zu liefern. Diese Rolle füllt Talend bei uns in hervorragender Weise aus.“