Datenintegration für unser tägliches Brot

Talend Data Integration bei der Harry-Brot GmbH
Die Job-Entwicklung erfolgt komfortabel über eine grafische Oberfläche, bei Fehlermeldungen kann man aber auch direkt in den Programmcode schauen, was sehr hilfreich ist. Insgesamt hat uns Talend durch seine Funktionalität, Flexibilität, Skalierbarkeit und den günstigen Preis überzeugt.
Michael Ludwig, Informationssysteme und Organisation, Verfahrenstechnik bei Harry-Brot GmbH

Das tägliche Brot ist den Deutschen so wichtig wie kein anderes Lebensmittel: Über 300 Sorten davon gibt es in Deutschland und der Pro-Kopf-Verzehr ist weltweit spitze. Führende Großbäckerei ist die Harry-Brot GmbH mit Hauptsitz im norddeutschen Ort Schenefeld. Seit Anfang der 60er Jahre beliefert das 1688 als kleine Bäckerei in Hamburg Altona gegründete Unternehmen den Lebensmittelhandel mit frischen, vorverpackten Broten. Harry wurde zur beliebtesten Brotmarke in Deutschland und ist heute in den Selbstbedienungsregalen prominent vertreten.

Im Jahr 2012 beschäftigte Harry an neun Produktionsstandorten insgesamt 3.770 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 813 Millionen Euro. Mit dem Harry-eigenen Frischdienst wird flächendeckend das Vertriebsgebiet über Nord-, West- und Ostdeutschland abgedeckt. Mit ihrem Harry-Markenbrot erzielen sie hier einen Marktanteil von 24,5%. Der Frischdienst liefert über ein Netz von 45 Vertriebsstellen. Insgesamt 848 exakt geplante Touren bedienen täglich die Brotregale von 9.690 Geschäften. Davon erhalten über 6.670 Geschäfte das Harry-Prebake-Sortiment für ihre Backstationen. Das Unternehmen exportiert Backwaren nach Österreich, in die Schweiz, nach Dänemark, Frankreich und Tschechien.

Die komplexen Abläufe in Verwaltung, Produktion und Logistik steuert das IT-Team von Harry-Brot mit einer komplexen IT-Landschaft. Für einen reibungslosen Datenaustausch zwischen den fünf eingesetzten Hauptsystemen und dem Data-Warehouse sorgt die Integrationsplattform von Talend.

 

Die Herausforderung

In den vergangenen zehn Jahren ist Harry kontinuierlich gewachsen; in der Regel betrug der Zuwachs pro Jahr mehr als zehn Prozent. Mit dem Wachstum der Organisation wurde auch das Controlling immer wichtiger. Moderne Unternehmenssteuerung, wie sie bei Harry praktiziert wird, basiert immer stärker auf relevanten Daten und weniger auf der Intuition der handelnden Personen. Vor diesem Hintergrund hat der Informationsbedarf seitens des Managements drastisch zugenommen. In der Vergangenheit reichte es aus, Daten aus den einzelnen Anwendungen abzuziehen und beispielsweise in Excel mit Daten aus anderen Systemen zusammenzuführen.

Seit 2000 wurde für Analyse und Berichtswesen eine Software eingesetzt, die einen Zugriff auf die Datenbank eines IBM z/OS Mainframes ermöglichte. Parallel dazu wurde Cognos Powerplay als Analysewerkzeug eingekauft, später wurde dann zu Cognos BI gewechselt. „Das Grundproblem war für uns: Wie kommen wir an die Daten heran?“, erläutert Michael Ludwig, zuständig für Datenbanken, Analyse und Reporting bei Harry. Im Prinzip stehen dazu zwei Wege zur Verfügung: Man kann direkt auf die Produktionssysteme zugreifen und damit operative Daten nutzen oder einen Zwischenschritt machen und auf Datenextrakte zugreifen. „Mit den gewachsenen Anforderungen war es uns aber praktisch nicht mehr möglich, die benötigten und gewünschten Daten über die genutzten Anwendungen zu ermitteln“, erinnert sich Michael Ludwig.

Da es dazu keine einheitliche Direktive gab, wurde zum Teil auf operative Daten zugegriffen, zum Teil wurden Extrakte genutzt. Um diesen „Wildwuchs“ einzudämmen, sollte ein zentrales Data-Warehouse als einheitlicher Speicherort eingeführt werden. Für die Befüllung des Data-Warehouse mit Daten aus den fünf Hauptsystemen – darunter auch SAP ERP mit dem Modul HCM für das Personalmanagement – sollte ein ETL-Tool sorgen.

 

Die Talend-Lösung

„Uns waren unterschiedliche Dinge wichtig: Vor allem sollte die Lösung skalierbar sein. Konkret hatten wir vor, zuerst klein anzufangen und dann das gesamte Vertriebsberichtswesen darüber laufen zu lassen“, fasst Michael Ludwig zusammen. Ein weiterer Faktor war die Portierbarkeit der Lösung, denn auf eine Runtime-Umgebung wollte das IT-Team lieber verzichten. Gemeinsam mit dem langjährigen IT-Partner CIMT AG wurde ein Pflichtenheft definiert und mit der Evaluierung geeigneter Lösungen begonnen. In die engere Auswahl kamen dann eine führende proprietäre Lösung sowie die Integrationsplattform von Talend. Sich Talend näher anzuschauen, war ein Tipp der CIMT AG, die unlängst ein großes Projekt bei einem anderen Kunden/ mobile.de mit eben dieser Technologie umgesetzt hatte.

„Für den Proof of Concept haben wir uns Zeit genommen“, so Michael Ludwig. „Wir haben Experten engagiert und ihnen bei der Live-Umsetzung unserer Aufgaben intensiv über die Schulter geschaut. Am Ende erwies sich Talend in nahezu allen für uns relevanten Belangen ebenbürtig oder überlegen, war dabei aber mit Abstand kostengünstiger“. Bei der Talend-Einführung wurde Harry von der CIMT AG unterstützt.

Begonnen wurde mit zwei Pilotprojekten: Der Produktionsbericht betrifft Mengen und Tonnagen der Bäckereien für die Materialwirtschaft. Er wird intern auch als „Äquator“ bezeichnet, weil er eine gedachte Linie zwischen der Produktion und Logistik bildet. Für den Produktionsbericht werden über RFC (Remote Function Calls) Stammdaten aus SAP sowie Daten vom Mainframe benötigt. Der zweite Pilot behandelte Produktrückmeldungen: Intern wird ein SAP-gestütztes Workflow-System für die produktbezogenen Kundenkontakte eingesetzt, dabei kann es sich um Lob und Tadel, aber auch um Reklamationen handeln. Es werden Datenextrakte verarbeitet und in einen Bericht für das Management überführt, das damit beispielsweise reagieren kann, wenn sich bestimmte Probleme an einem Produktionsstandort häufen.

Für die Anbindung von SAP konnte der kostenlos mitgelieferte Konnektor genutzt werden. Die typischen RFCs innerhalb von SAP lassen sich über die Talend-Funktionalität direkt integrieren. Für die Verarbeitung von IDocs wird zunächst ein ABAP-Programm eingesetzt, um diese für den ETL-Zugriff vorzubereiten.

 

Die Vorteile

Nach der Einführungsphase hat die CIMT AG auch noch bei der Entwicklung einer eigenen Jobverwaltung geholfen, die unter anderem festhält, wann welcher Job gelaufen ist, welche Sätze verarbeitet wurden oder wo Fehler aufgetreten sind. Für die Steuerung der Jobs nutzt Harry die unternehmensweite Job-Scheduling-Plattform von IBM, den Tivoli Workload Scheduler. Zwar bringt auch Talend eine leistungsfähige Konsole zur Job-Verwaltung mit, aber die zentrale Steuerung aller Jobs in einer Plattform wollte das Team nicht missen. Mit Talend stellt diese Vorgehensweise kein Problem dar: Alle ETL-Jobs sind Java-Programme, die auch als eigene Anwendungen angesprochen werden können. Bei dem getesteten Wettbewerbsprodukt hätte ein eigenständiger Server installiert und betrieben werden müssen, während bei Talend lediglich „eine Linux-Maschine einige zusätzliche Jobs abbekommt“.

Bei der Funktionalität musste Harry keinerlei Abstriche machen, dafür ist das Preisschild erheblich kleiner. Hier macht sich vor allem das kundenfreundliche Lizenzmodell des Open-Source-Anbieters bezahlt: Bei der Datenintegration mit Talend spielen Datenmengen, Zahl der Systeme und Anwendungen, CPUs und so weiter im Gegensatz zu den Produkten proprietärer Anbieter keine Rolle. Lizenziert wird einfach und transparent nach Entwicklerarbeitsplätzen. Harry nutzt einen „Developer Seat“ der kostenpflichtigen Version Talend Data Integration - in einer der Aufgabe angemessenen Konfiguration hätte das Wettbewerbsprodukt ein Vielfaches gekostet.

Mittlerweile hat Michael Ludwig die Programmierung und Überwachung der Jobs selbst in die Hand genommen: „Wer sich etwas mit Java-Programmierung auskennt, wird sich in Talend schnell zurechtfinden. Die Job-Entwicklung erfolgt komfortabel über eine grafische Oberfläche, bei Fehlermeldungen kann man aber auch direkt in den Programmcode schauen, was sehr hilfreich ist. Insgesamt hat uns Talend durch seine Funktionalität, Flexibilität, Skalierbarkeit und den günstigen Preis überzeugt.“

Noch ist der Umstieg auf die neue Architektur nicht vollständig vollzogen, sukzessive werden jedoch mehr und mehr Prozesse mit Talend fit für das Data-Warehouse gemacht. Aktuelle Projekte betreffen das Berichtswesen im Bereich Human Resources sowie das Artikelmanagement, demnächst soll auch die hoch komplexe Neuorganisation des Vertriebsberichtswesens in Angriff genommen werden. „Talend spielt eine entscheidende Rolle in unserem Controlling und Berichtswesen und gibt uns die Möglichkeit, das Reporting Schritt für Schritt auszubauen“, so das Fazit von Michael Ludwig. „Wir haben für unseren Einsatzzweck definitiv die richtige Entscheidung getroffen.“